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Peter Lautzas

DDR-Forschertagung

 

Vom 9. bis 11. November 2006 fand - erstmals in Suhl/Thüringen - die diesjährige DDR-Forschertagung statt. Sie stand unter dem Titel: „Gemeinsame deutsche Nachkriegsgeschichte?“ und wurde veranstaltet vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Deutschland-Archiv. Diese Veranstaltung war von besonderer Bedeutung, suchte man doch nach neuen methodischen Ansätzen zur wissenschaftlichen Erforschung des Themas „DDR", nachdem der Systemvergleich kaum noch weiterführende Ergebnisse zu erbringen verspricht. Als möglicher Neuansatz wurde die von Christoph Kleßmann und Konrad Jarausch entwickelte Zugriffsweise aus gesamtdeutscher Sicht, nämlich die deutsch-deutsche Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg als asymmetrisch verflochtene Parallelgeschichte zu betrachten, zum Thema gemacht und diskutiert. (Dieser im Übrigen vom Verband der Geschichtslehrer Deutschlands angeregte Zugriff ist publiziert in: Chr. Kleßmann/ P. Lautzas (Hrsg.): Teilung und Integration (Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Bd. 482), Bonn 2005.)

 

Schon am Fragezeichen im Titel der Veranstaltung entzündete sich die Diskussion. Waren vor allem ostdeutsche Historiker aus ihrer eigenen existenziellen Betroffenheit heraus, aber auch auf Grund einer etwas stärker vertretenen Einsicht in die Notwendigkeit, dass wissenschaftliche Forschung auf die aktuellen Probleme und Fragestellungen der Gesellschaft einzugehen habe, der Auffassung, dass das Tagungsthema als Auftrag zu nehmen sei, neigten die westdeutschen Teilnehmer mehrheitlich zu einer reservierten Haltung, indem sie die methodisch-technischen Probleme einer Umsetzung des genannten Ansatzes in den Vordergrund ihrer Überlegungen stellten. Dabei hatte man den Eindruck, dass der lieb gewonnene Systemvergleich, der für die Bundesrepublik meist sehr günstig ausfällt und die Delegitimierung der DDR so offensichtlich macht, nicht so leicht zu überwinden ist. Dagegen muss es aber, wie Martin Sabrow überzeugend darlegte, um die Gewinnung erweiterter Fragestellungen und struktureller Ansätze gehen, die zu vertiefenden Ergebnissen führen können, noch dazu unter dem Aspekt der heute vorhandenen einen Nation.

 

Die politisch-gesellschaftliche und didaktische Aufgabe, die damit verbunden ist und der Wissenschaft auch in einem gewissen Maße verpflichtet ist, wurde nämlich so gut wie gar nicht gesehen, ebenso nicht die Notwendigkeit, die 3. deutsche Republik, wie sie ein Teilnehmer nannte, d.h. die veränderte Bundesrepublik nach der Wiedervereinigung, zum Thema zu machen. Auch ein kritischer Blick auf die so erfolgreiche Republik vor 1990 scheint kein Interesse zu wecken. Fleiß wurde die Frage diskutiert, inwieweit ein Historiker, der zugleich Zeitzeuge ist, in der Lage sein kann, seine Zeit wissenschaftlich zu bearbeiten. Bei all diesen Diskussionen wurde deutlich, dass das Institut für Zeitgeschichte zur Zeit noch sehr seinem Erfolgsmuster aus der Vergangenheit verhaftet ist und sich neuen Fragestellungen nur schwer öffnen kann, im Gegensatz etwa zum Zentrum für Zeitgeschichtliche Forschung in Potsdam, das diese Entwicklung vorantreibt. Insgesamt gesehen wurde bei allen notwendigen kritischen Überlegungen der Ansatz von Christoph Kleßmann und Konrad Jarausch im Prinzip als gangbarer Weg anerkannt und auch den einzelnen Sektionsbeiträgen zu Grunde gelegt und an den einzelnen Teilproblemen erprobt.

 

 

 

 



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