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Dr. Simone Mergen

Neue Angebote im Haus der Geschichte in Bonn:

Palais Schaumburg und Informationszentrum Föderalismus im Bundesrat

 

 

Im Herbst 2006 hat die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zwei historische Orte der deutschen Zeitgeschichte für Besuchergruppen eröffnet. Im Bundesviertel in Bonn kann in Kooperation mit dem Bundeskanzleramt das Palais Schaumburg, von 1949 bis 1976 Arbeitsplatz der Bundeskanzler und bis heute Dienstsitz Bonn der Bundeskanzlerin, besichtigt werden. Die behutsame museale Gestaltung vermittelt die wechselvolle Geschichte der repräsentativen Villa am Rheinufer.

 

Nur wenige hundert Meter entfernt, im ehemaligen Bundeshaus am Rheinufer, können Besuchergruppen das Informationszentrum Föderalismus nutzen und den Plenarsaal des Bundesrats als einen authentischen Ort demokratischer Entscheidungsprozesse erleben. Eine kleine Ausstellung vermittelt Geschichte, Aufbau und Arbeitsweise dieses Verfassungsorgans.

 

Palais Schaumburg – Schaltzentrale der Macht

Als Millionärsvilla um 1860 errichtet, bis ins 20. Jahrhundert als Prinzenpalais genutzt, schließlich Truppenstandort im Ersten und Zweiten Weltkrieg – das Palais Schaumburg ist Spiegelbild der deutschen Geschichte des 19. und vor allem 20. Jahrhunderts. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wird es Amtssitz der Bundeskanzler. Im Herbst 1949 bittet Bundeskanzler Konrad Adenauer die britische Besatzung um eine rasche Freigabe des Palais Schaumburg, bereits Ende November bezieht er seinen neuen Dienstsitz. Auch seine Amtsnachfolger Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt und Helmut Schmidt nutzen das Kanzlerarbeitszimmer im ersten Obergeschoss. Die wachsenden Aufgaben und Mitarbeiterzahlen im Bundeskanzleramt ebenso wie veraltete Technik und fehlende Konferenzräume machen einen Neubau unabdingbar. Bereits unter Willy Brandt beginnen die Planungen für das neue Bundeskanzleramt in unmittelbarer Nachbarschaft. Helmut Schmidt bezieht 1976 den Neubau. Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel nutzen das Palais weiterhin für repräsentative Zwecke.

 

Bei einem Rundgang durch die historischen Räume können die Besucher u.a. den Kabinetts- und Speisesaal, die so genannten Hallstein-Räume im Erdgeschoss sowie das Kanzlerarbeitszimmer im ersten Obergeschoss sehen. Die museale Gestaltung der Räume mit Informationen zu den Bundeskanzlern und ihrer Arbeitsweise sowie zur Funktionsweise des Bundeskanzleramts entspricht der narrativen Konzeption der Ausstellungen des Hauses der Geschichte. Originalobjekte, Fotos und audiovisuelle Medien sowie vertiefende interaktive Vermittlungseinheiten bieten lebendige und vielfältige Angebote für die Besucher. Ein Spaziergang durch den historischen Park bis hin zum Kanzlerbungalow und zum Rhein runden das Angebot ab.

 

Informationszentrum Föderalismus – Lernort für Demokratie

Im Bundesratsgebäude in Bonn hat das Haus der Geschichte in Kooperation mit dem Bundesrat das Informationszentrum Föderalismus eröffnet. Es bietet einen Einblick in die Geschichte und Arbeit des Bundesrats und beleuchtet seine Bedeutung im föderalen Staatsaufbau der Bundesrepublik Deutschland. Wichtige Ereignisse in der bundesdeutschen Geschichte sind mit diesem Plenarsaal in der ehemaligen Pädagogischen Akademie verbunden: In den Jahren 1948/49 tagte hier der Parlamentarische Rat. Am 8. Mai 1949 wurde das Grundgesetz an diesem Ort beschlossen und am 23. Mai 1949 feierlich verkündet. Von der konstituierenden Sitzung am 7. September 1949 bis zu seinem Umzug nach Berlin im Juli 2000 trat der Bundesrat etwa 11mal im Jahr in diesem Saal zusammen. Die Ausstattung im repräsentativen Stil der 1950er Jahre steht unter Ensembleschutz; die Bänke für die Vertreter der 16 Bundesländer, des Präsidiums, die Regierungs- und Verwaltungsbank sowie die Pressetribüne sind erhalten und können genutzt werden.

 

Die Ausstellung im Vorraum des Plenarsaals umfasst drei Bereiche, die anschaulich die Wesenzüge des Föderalismus mit einem Rückblick ins 19. Jahrhundert, die Entstehung und das Wirken des Bundesrats darstellen. Objekte, Fotos und Dokumente sowie Ton- und Filmbeiträge bieten einen detaillierten Einblick in die Geschichte des Bundesrats. Statistische Informationen über seine Arbeit können dabei ebenso abgerufen werden wie geschichtsträchtige Debatten. Die Besucher können interaktiv Vor- und Nachteile des Föderalismus diskutieren.

 

Hier können Schüler einen historischen Ort erleben: Welche Themen beschäftigen den Bundesrat? Wie funktioniert die föderale Kammer der Legislative? Wie erfolgt die Abstimmung? Über eine Begleitung hinaus können Schüler beispielsweise an einem Projekttag im Informationszentrum Föderalismus diesen Fragen genauer nachgehen, sogar eine Debatte im Plenarsaal simulieren. Im Rahmen einer Pilotphase wird eine aktive Nutzung des Plenarsaals als historischer Ort auf diese Weise derzeit erprobt. (Informationen hierzu über die Museumspädagogik, Dr. Simone Mergen, Tel. 0228/9165-113, mergen@hdg.de)

 

Karikaturengalerie

Im März 2007 hat die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland die Karikaturengalerie eröffnet, in der unsere Sammlung von über 75.000 Original-Zeichnungen mit vielen bedeutenden Gesamtnachlässen archiviert und dokumentiert wird. Eine Ausstellung zeigt ausgewählte Karikaturen zu Themen der deutschen Zeitgeschichte seit 1949, in deren Mittelpunkt eine satirische Bildchronik zur Geschichte der Bundesrepublik von Konrad Adenauer bis Angela Merkel steht. Aber auch die Funktion und Grenzen der Karikatur werden beispielhaft vorgestellt. Die Karikaturengalerie – dem Haus der Geschichte gegenüber an der Willy-Brandt-Allee gelegen – ist für Einzelbesucher sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr und für Gruppen von dienstags bis sonntags nach Anmeldung geöffnet.

 

Anmeldung

Eine kostenfreie Begleitung durch das Palais Schaumburg mit einer Dauer von etwa 90 Minuten kann über den Besucherdienst im Haus der Geschichte (Tel. 0228/9165-400, Fax 0228/9165-302, besucherdienst@hdg.de) gebucht werden. Zwecks einer Sicherheitsüberprüfung durch das Bundeskanzleramt benötigen wir nach der Anmeldung eine Liste mit Name, Geburtstag und -ort, die zwei Wochen vor dem gewünschten Termin vorliegen muss. Einzelbesucher können das Palais Schaumburg ebenfalls nur nach Voranmeldung sonntags um 12.00 Uhr besuchen.

 

Auch im Informationszentrum Föderalismus können kostenfreie Begleitungen mit einer Dauer von ca. 60 Minuten über den Besucherdienst gebucht werden. Für Einzelbesucher findet jeden Sonntag um 13.00 Uhr im Informationszentrum Föderalismus eine kostenfreie Begleitung statt. Treffpunkt ist am Informationsschalter im Foyer des Hauses der Geschichte.

 

Eine kostenfreie Begleitung durch die Karikaturengalerie kann ebenfalls über den Besucherdienst gebucht werden. Hier steht darüber hinaus ein Raum für Workshops zur Verfügung, in dem sich Schulklassen und Gruppen vertiefend mit der Bildsprache, Aussagekraft und Funktion von Karikaturen beschäftigen können. (Weitere Informationen über die Museumspädagogik, Dr. Simone Mergen, 0228/9165-113, mergen@hdg.de)

 

Mit den neuen Angebote sind attraktive außerschulische Lernorte entstanden, an denen Zeitgeschichte seit 1949 spannend und lebendig vermittelt werden kann. Für einen Besuch mit Schülern und Jugendlichen bietet sich eine Kombination mit der Dauerausstellung im Haus der Geschichte an. Weitere aktuelle Informationen gibt es unter www.hdg.de und über die oben genannten Ansprechpartner in Museumspädagogik und Besucherdienst.



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