Deutsche Positionen 1945 - 1989
Die Ausstellung „Kunst und Kalter Krieg“ zeigt etwa 320 Werke der Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie, Video-und Installationskunst als Ausdruck einer umfassenden Auseinandersetzung um konkurrierende Menschenbilder und ideologische Konzepte. Arbeiten westdeutscher Künstlerinnen und Künstler wie Baselitz, Immendorff, Kiefer, Trockel oder Richter sind ebenso vertreten wie Werke von Ostdeutschen wie Altenbourg, Sitte, Schleime oder Tübke. Die zwischen 1945 und 1990 entstandenen Arbeiten machen gesellschaftliche und politische Stimmungen in beiden Teilen Deutschlands nachvollziehbar. Begleitet werden die Werke aus internationalen Museen und Privatsammlungen von Film-, Foto-und weiteren zeithistorischen Dokumenten.
Mit der Frage nach Kontinuität oder Neubeginn 1945 beginnt der Rundgang in der ersten Ausstellungshalle. Der Bezug auf die Kunst der Klassischen Moderne ist im Osten wie im Westen zunächst gemeinsam. Nach der Gründung der beiden deutschen Staaten stehen die Fünfziger Jahre im Zeichen des Streites über das Menschenbild. Der unerschütterliche Held der Zukunft, wie ihn das Bildnis eines jungen Maurers von Otto Nagel zeigt, ist das Sujet des Sozialistischen Realismus im Osten, während die informelle Malerei des Westens Ausdruck des befreiten Subjekts sein will.
Denkmalwettbewerbe konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen. Das in Westberlin geplante Denkmal des unbekannten politischen Gefangenen von Bernhard Heiliger versteht sich als Widerpart zum russischen Siegerdenkmal und klagt die Unfreiheit im sowjetischen Machtbereich an. Das Buchenwald-Ehrenmal mit der bronzenen Skulpturengruppe von Fritz Cremer wird zum Symbol des Antifaschismus in der DDR.
In der großen Ausstellungshalle beginnt mit den Sechziger Jahren in beiden deutschen Staaten die Auseinandersetzung mit dem Trauma der Vergangenheit. Der Kapitalistische Realismus, inspiriert durch die Pop-Art, wird im Westen die Kunst des Wirtschaftswunders. Neue Medien verflüssigen den auf Staffeleigemälde und Skulpturen fixierten statischen Kunstbegriff.
Die Gegenwart der Vergangenheit thematisieren Maler wie Georg Baselitz und Anselm Kiefer im Westen, aber ebenso Bernhard Heisig oder Werner Tübke im Osten. Die Fotografen emanzipieren sich und werden zu gleichberechtigten Akteuren der Kunstszene. Besonderes Augenmerk verdienen die Werke von Fotografinnen wie Sibylle Bergemann oder Gundula Schulze Eldowy, die ihre subversive Sicht auf den Alltag in der DDR festhielten.
In den Achtziger Jahren wird der Sprung aus der Geschichte gewagt und alle Ideologie in Frage gestellt. Das Wandbild in der Frankfurter Paulskirche von Johannes Grützke oder die „Frühbürgerliche Revolution“ als Panoramagemälde, die Werner Tübke für das Museum in Frankenhausen malte, befragen kritisch die Identität der Deutschen in Ost und West. Dieser Frage geht auch Jörg Immendorff in seinem „Café Deutschland“ nach.
Mit der nonkonformen Kunst in der DDR und der zwischen Dresden und Westberlin entstandenen Bildschaukel „Gefrorene Glieder brechen leicht“ von Via Lewandowsky endet die Ausstellung.
Ausstellungskatalog
![]() |
Stephanie Barron, Sabine Eckmann (Hg.): Kunst und Kalter Krieg 460 Seiten, Hardcover Dumont Verlag, Köln 2009 Preis: 49,95 Euro |
Der erste Überblick zur Kunstproduktion während der deutschen Teilung aus internationaler Sicht mit Positionen deutscher Kunst zwischen 1945 und 1989: Der Einfluss der aktuellen politischen und kulturellen Diskurse in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR wird ebenso aufgezeigt wie die komplexe Verarbeitung von Realismus und Abstraktion, die Entgrenzung konventioneller Kunst durch neue Medien und Kunstformen sowie die Rezeption zeitgenössischer Ausstellungen durch die Künstler. Der Band enthält rund 300 Werke von 120 Künstlern – Gemälde, Skulpturen, Grafiken, Fotografien und Installationskunst – aus der Nachkriegszeit bis zum Mauerfall 1989.
Großzügig bebilderte Essays spannen den thematischen Bogen zwischen nationaler Identität und politischem Kontext, beginnend mit der Nachkriegszeit über die Ideologien des Kalten Krieges und den Terrorismus der 1970er Jahre bis hin zur Wiedervereinigung. Dieser neue Ansatz zur Geschichtsschreibung demonstriert die internationale Rolle deutscher Nachkriegskunst innerhalb von Moderne und Postmoderne und wird hier erstmals in der Gesamtschau, kuratiert von Stephanie Barron und Eckhart Gillen, vorgelegt.