Die Wittelsbacher und das Reich der Mitte.
400 Jahre China und Bayern
26. März bis 26. Juli 2009
Bayerisches Nationalmuseum
München
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und Seiner Königlichen Hoheit Herzog Franz von Bayern.
Schon seit über 400 Jahren existieren zwischen Bayern und China erstaunliche Beziehungen. Bereits die bayerischen Herzöge des 16. Jahrhunderts erlagen der Faszination des asiatischen Kunsthandwerks und sammelten diese Exotika für die Münchner Kunstkammer. Im 17. Jahrhundert schickten sie selbst Erzeugnisse bayerischer Werkstätten an den Hof des Kaisers von China, nicht nur als Empfehlung für die dort tätigen Jesuitenmissionare, sondern auch als Demonstration der Kunstfertigkeit der Augsburger und Münchner Meister. Die Bewunderung der chinesischen Kaiser für die europäischen Werke führte dazu, dass bayerische Jesuiten hohe Positionen am Astronomischen Amt in Peking erlangten und die bayerischen Regenten eine Zeitlang hofften, auf diese Weise die Einführung des Christentums in China zu unterstützen.
Im 18. Jahrhundert wiederum erwarben die Pracht liebenden Wittelsbacher Kurfürsten kostbare chinesische Porzellane und Lackarbeiten und lösten mit ihren Aufträgen zur Nachahmung derartiger Originale für die Ausstattung ihrer Residenzen die China-Mode in Bayern aus. So entstand ein florierender Markt für luxuriöse Möbel, Porzellane und Textilien im chinoisen Stil, für den die produktiven Augsburger und Nürnberger Verlage über die Grenzen Bayerns hinaus vielfältige Kupferstich-Vorlagen lieferten.
Als im frühen 19. Jahrhundert der idealisierte Blick auf das ferne Reich der Mitte einer eher wissenschaftlich geprägten Anschauung wich, war es erneut ein bayerischer Regent, König Ludwig I., der nach dem Erwerb bedeutender chinesischer Sammlungen ein Museum der Weltkultur plante, in dem China den Ausgangspunkt bilden sollte. Weitere Werke der chinesischen Kultur gelangten nach München mit der Reise des Kronprinzen Rupprecht 1903 zur berühmten Kaiserinwitwe, deren Geschenke letztmals auf der Ostasien-Ausstellung 1909 gezeigt wurden.
Die Ausstellung „Die Wittelsbacher und das Reich der Mitte“ beleuchtet in fünf Abteilungen die Geschichte der Wahrnehmung Chinas in Bayern, die von der Faszination des Exotischen über die Begeisterung für die andersartige Ästhetik chinesischer Luxuswaren und die Idealisierung des unbekannten Reichs der Mitte bis hin zu einem nüchternen Blick auf die Großmacht im Fernen Osten führt. Gezeigt werden rund 300 hochkarätige Exponate internationaler Leihgeber (so aus Peking, Florenz, Kopenhagen und Wien), darunter Spitzenleistungen des Kunsthandwerks. Die erstmals in dieser Zusammenschau präsentierten Werke führen die intensiven Beziehungen von China und Bayern vor Augen und verdeutlichen die wechselseitige Beeinflussung der beiden Kulturen.
Eine Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums mit Unterstützung der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen und dem Staatlichen Museum für Völkerkunde
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"Die Wittelsbacher und das Reich der Mitte.
400 Jahre China und Bayern"
Hrsg. Renate Eikelmann
544 Seiten
ca. 400 Abb. in Farbe
Hirmer Verlag München, 2008
55,00 Euro
Der Katalog zur Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums führt die Geschichte der Wahrnehmung Chinas in Bayern vor Augen und ergründet die wechselseitige Beeinflussung der Kulturen.
Rund 300 hochkarätige Exponate internationaler Leihgeber, darunter Spitzenleistungen des Kunsthandwerks, verdeutlichen die Faszination des Exotischen und die Begeisterung für die andersartige Ästhetik chinesischer Luxuswaren. War das 18. Jahrhundert in Europa von einer Idealisierung des unbekannten Reichs im Osten und seiner Kunsterzeugnisse geprägt, so gelangten im Gegenzug auch westliche Einflüsse nach China, wie etwa die unter Kaiser Qianlong nahe Peking errichteten Europäischen Paläste im Rokokostil dokumentieren.
Wissenschaftliche Beiträge zahlreicher Spezialisten beleuchten die bayerische Annäherung an das ferne Reich der Mitte. Das opulent bebilderte Katalogbuch thematisiert 400 Jahre Austausch aus kunsthistorischer, kulturhistorischer und ethnologischer Sicht.