Marinus und Heartfield
Politische Fotomontagen der 1930er Jahre
Köln
Museum Ludwig
9. August 2008 – 19. Oktober 2008
Unter dem Pseudonym „Marinus“ veröffentlichte die in Paris erscheinende Zeitung „Marianne“ in den Jahren 1932 bis 1940 über 250 Fotomontagen. Diese vorwiegend als Titel abgedruckten Werke waren offenkundig von den Fotomontagen von John Heartfield inspiriert, die dieser seit 1930 für die AIZ ( Arbeiter-Illustrierte-Zeitung) hergestellt hatte. Während Leben und Werk von John Heartfield inzwischen umfassend aufgearbeitet worden sind, galt der Bildautor von „Marianne“ als unbekannt, vor allem nachdem der Einmarsch der deutschen Truppen in Paris im Juni 1940 die große Zeit der französischen Illustrierten schlagartig beendete.
Vor diesem Hintergrund ist die erst kürzlich erfolgte Entdeckung, dass sich der Däne Jacob Kjeldgaard (1884 - 1964) sein Leben lang hinter dem Pseudonym „Marinus“ versteckt hielt, als Sensation zu betrachten. Seit 1933 war er Mitarbeiter der Redaktion von „Marianne“ und der Urheber der Fotomontagen, die ein ganz außergewöhnliches Bilderrepertoire entfalteten. Aus französischer Sicht wurde die nationalsozialistische Politik karikiert, aber auch die mächtigen Staatsmänner der westlichen Welt als zweifelhafte Drahtzieher und Friedenskämpfer der 1930er Jahre dargestellt. Hitler wurde als Anstreicher, als stumpfer Bräutigam aus Wagners Oper „Tristan und Isolde“ oder als Karnevalsprinz vorgeführt, aber auch Mussolini und Stalin als verschlagene Politiker dargestellt. Marinus verarbeitete Kunstwerke von Leonardo, Breughel, Delacroix, Rodin und Franz von Stuck aber auch Standfotografien aus Historienfilmen wie z.B.aus 'Ben Hur'. Noch heute irritieren diese Fotomontagen den Betrachter in ihrer Perfektion und historischen Finesse, die damals den Leser subtil informieren und aufrütteln sollten.
Erstmalig werden in dieser Ausstellung sämtliche noch erhaltenen originalen Fotomontagen von Marinus und das Gesamtwerk der gedruckten Ausgaben der Zeitschrift Marianne in Deutschland gezeigt. Ausführlich werden die Vorbilder von John Heartfield dokumentiert und die ikonografischen und historischen Bilderthemen analysiert. Es gilt, Marinus neben Heartfield als bedeutenden politischen Fotomonteur zu entdecken und die Mediengeschichte der 1930er Jahre um die Dimension dieser Bilderwelt aus Kunstgeschichte, Film und fotografierter Tagespolitik zu erweitern.
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Hitler blind Stalin lahm - Marinus und Heartfield
Politische Fotomontage der dreißiger Jahre
Herausgegeben von Bodo von Dewitz
Mit Texten von Gunner Byskow, Bodo von Dewitz, Ulrich Hagele, Daniel Kothenschulte und Kerstin Stremmel
232 Seiten
45,00 Euro
Die französische Zeitschrift „Marianne“ veröffentlichte in den dreißiger Jahren über 250 Fotomontagen, deren Vorbild offenkundig John Heartfields berühmte Montagen waren. Ihr Bildautor blieb unbekannt und wurde - eine Sensation - erst kürzlich entdeckt: Hinter dem Pseudonym Marinus verbarg sich der Däne Jacob Kjeldgaard (1884-1964). Seine Fotomontagen entfalten ein außergewöhnliches Bildrepertoire. Sie karikieren die Politik der Nationalsozialisten, aber auch die mächtigen Staatsmänner der westlichen Welt. Hitler wurde als Anstreicher, als stumpfer Bräutigam aus Wagners „Tristan und Isolde“ oder als Karnevalsprinz vorgeführt, Mussolini und Stalin in all ihrer Verschlagenheit kenntlich gemacht. Marinus verarbeitete Werke von Leonardo, Breughel, Delacroix, Rodin und Franz von Stuck, aber auch Standfotografien aus Historienfilmen wie „Ben Hur“. Heute beeindrucken diese Fotomontagen, die subtil informieren und aufrütteln sollten, durch ihre irritierende Perfektion und historische Finesse.
Dieser Band enthält sämtliche noch erhaltenen Arbeiten von Marinus und stellt erstmals umfassend die Bildpublizistik der Zeitung „Marianne“ aus Paris vor. Die Geschichte der Medien erhält mit dieser Bilderwelt aus Kunstgeschichte, Film und fotomontierter Tagespolitik ein neues Kapitel. Als der bedeutendste politische Fotomonteur neben Heartfield ist Marinus noch zu entdecken.