Verband der Geschichtslehrer Deutschlands e.V.
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Der Friedensnobelpreis und die Manieren

Von der Aktualität gesellschaftlicher Regeln

 

Bremen - Auch wenn sich die Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama derzeit mehr als Bürde denn als Auszeichnung gewertet wird und die Osloer Jury damit die hohen Erwartungen an den US-Präsidenten weiter gesteigert hat, so zeigt der überraschende Coup doch, wie sehr sich die internationale Wahrnehmung der USA und ihrer politischen Führung seit den Wahlen vom Herbst 2008 gewandelt hat.

Vielleicht wird es am deutlichsten, welches Ansehen das oberste Staatsamt der Vereinigten Staaten zuletzt unter Obamas Vorgänger George W. Bush genoss, wenn man sich eine Performance ins Gedächtnis ruft, die Mark McGowan vor zwei Jahren dem amerikanischen Präsidenten widmete und die nun in einer großen kulturgeschichtlichen Sonderausstellung in Bremen vorgestellt wird. Im Februar 2007 kroch der britische Künstler mit Bush-Maske verkleidet, geschützt durch ein Kissen in der Hose und ausgerüstet mit Knieschonern 72 Stunden durch Manhattan.

Ein am Hinterteil befestigtes Schild mit der eindeutigen Aufforderung „KICK MY ASS“ lud Passanten dazu ein, ihrer Haltung gegenüber dem mächtigsten Mann der Welt spontan und unverhohlen Ausdruck zu verleihen. Stellvertretend für Bush bot sich McGowan den New Yorkern als Prügelknabe an. Ähnlich wie bei mittelalterlichen Leibstrafen wurde die Sanktion für Vergehen in der Öffentlichkeit vollzogen – wenngleich diese bei der Performance stellvertretend und freiwillig erfolgte.

Die ungewöhnliche Kunstaktion machte deutlich, dass die meisten Menschen Hemmungen haben, jemand anderen zu verletzen. Nach Ermutigung McGowans kam es aber zu ersten, zaghaften Tritten und schließlich bereitete das „Spiel“, stellvertretend dem Künstler für den Präsidenten „in den Hintern zu treten“, Spaß, sobald sich die Teilnehmer an die Regeln dieses gesellschaftlichen Tabu-Bruchs gewöhnt hatten.

Gesellschaftliche Regeln – Manieren – ordnen seit jeher das menschliche Zusammensein. Kein Treffen unter Politikern, kein Staatsakt, kein Telefonat und kein gemeinsames Mittagessen, bei dem sie nicht zum Einsatz kämen. Wer ihre Bedeutung leugnet oder ignoriert, riskiert, nicht verstanden oder gar verstoßen zu werden. Auch die Probanten der Kunstaktion von Mark McGowan mussten erst umdenken und ihre erlernten Manieren im Umgang mit dem zum Fußtritt einladenden „Präsidenten“ ablegen.

Der ewigen Frage, welche Verhaltensregeln die Gesellschaft über die Jahrhunderte aufgestellt hat und welche erfolgsversprechend sind, geht nun erstmals eine große kulturgeschichtliche Sonderausstellung nach, die das Focke Museum in Bremen vom 29. November 2009 bis 30. Mai 2010 zeigt.

Großartige Werke der europäischen Kultur, außergewöhnliche Kunstprojekte und vertraute Objekte der Alltagskultur helfen eine Antwort auf die Frage zu finden, was es mit dem guten Benehmen eigentlich auf sich hat. Humorvoll und unterhaltend, wissenschaftlich fundiert aber nie belehrend, regt die große Ausstellung an zum Nachdenken über ein universelles Menschheitsthema, denn letztendlich geht es um nichts Geringeres als um den Umgang miteinander.

Und hier schließt sich auch der Kreis zur Auszeichnung Obamas mit dem Friedensnobelpreis, hob doch die Jury dessen Diplomatieverständnis würdigend hervor, das sich auf der Überzeugung gründe, „dass diejenigen, die in der Welt den Ton angeben, dies auf der Grundlage von Werten und Maßstäben tun“.

 

Informationen:  www.focke-museum.de

 

 




Konferenz "Meine, Deine, unsere Geschichte?"

Friedliche Revolution und deutsche Einheit in der schulischen und außerschulischen Bildung

 

Im Jahr 2009 wird der 20. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR und des Mauerfalls begangen. Die letzten Kinder, die noch in der Zeit der friedlichen Revolution und des Umbruchs geboren sind, haben dann die Schule verlassen. Aktuelle Studien und Umfragen zeichnen ein besorgniserregendes Bild vom Kenntnisstand von Schülerinnen und Schüler zur Geschichte der DDR und der friedlichen Revolution 1989. Die Bundeszentrale für politische Bildung, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen wollen daher im Vorfeld des Jahres 2009 Gelegenheit bieten, sich mit praktischen und theoretischen Aspekten der Vermittlung der DDR-Geschichte zu beschäftigen. In gesamtdeutscher Perspektive soll der Stand der Behandlung von DDR-Geschichte und deutscher Teilung im Unterricht und in der außerschulischen Bildungsarbeit debattiert werden. Aktuelle Ansätze, wie die Geschichte der friedlichen Revolution und der deutschen Einheit angemessen berücksichtigt und in welcher Form sie in die deutsche Nachkriegsgeschichte eingeordnet werden kann, sollen vorgestellt und diskutiert werden. Dabei sollen bilanzierende, theoretische und praxisorientierte Teile angemessen berücksichtigt werden. Warum und wie soll angesichts knapper Zeitbudgets und verkürzter Schulzeiten die DDR-Geschichte im Unterricht behandelt werden? Welche Möglichkeiten bieten außerschulische Angebote? Wie kann die friedliche Revolution in Unterricht, in Lehrplänen und in der Lehrerausbildung behandelt werden und entsprechen die zahlreichen Angebote verschiedener Anbieter auch dem Bedarf der Lehrkräfte? Auf der Konferenz „Meine, Deine, unsere Geschichte? Friedliche Revolution und deutsche Einheit in der schulischen und außerschulischen Bildung“ sollen gemeinsam Antworten auf diese Fragen gefunden werden. Die Konferenz wendet sich an Lehrkräfte und politische Bildner, Lehrerbildungsinstitutionen, Bildungsverwaltungen und -ministerien sowie Schulbuchverlage.

 

Programm (als PDF)

 




Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte 1949-1990



 

Mit dem Erscheinen des fünften und letzten Bandes von Hans-Ulrich Wehlers Gesellschaftsgeschichte unter dem Titel "Bundesrepublik Deutschland und DDR 1949–1990" hat die FAZ einen weiteren Lesesaal eröffnet:

 

"In diesem Lesesaal wollen wir darüber diskutieren, wie sehr die Bundesrepublik, die wir kannten, Geschichte geworden ist und wie sie uns dennoch heute bestimmt."

 

Leseprobe auf der Website des C.H. Beck-Verlages

 

 




Onlineumfrage "Sind deutsche Lehrpersonen von Mobbing betroffen?"

„Arbeitszufriedenheit bei Lehrpersonen – Eine Analyse zu möglichen Störfaktoren mit dem Schwerpunkt auf Mobbingprozessen“

 

http://survey.2ask.de/d075232188e59b6a/survey.html

 





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