Verband der Geschichtslehrer Deutschlands e.V.
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Rechenschaftsbericht des Geschäftsführenden Vorstandes 2004-2006

Peter Lautzas

 

Allgemeine Situation

Was zunächst die allgemeine Situation des Faches Geschichte betrifft, so kann sie trotz immer wieder vorhandener Befürchtungen und trotz der einen oder anderen gegenläufigen Tendenz in einzelnen Ländern insgesamt als einigermaßen gesichert angesehen werden. Dies ist angesichts der massiven Umbrüche, die wir zur Zeit im Bildungswesen erleben, besonders bemerkenswert, sollte uns aber nicht in den Zustand allzu großer Zufriedenheit versetzen. Es ist dabei zu berücksichtigen, dass die Folgewirkungen all der Veränderungen, die auf die Schule und auch unser Fach zukommen, gegenwärtig noch nicht sichtbar sind: Die sehr veränderte Form der Lehrerausbildung, - in der Intention größerer Praxisnähe zu begrüßen -, ein Zentralabitur in manchen Ländern neu, die Einführung von Standards in allen Ländern, dabei auch für Geschichte (wenn auch nicht auf Initiative der KMK), die Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre, zunehmende Eigenständigkeit der Schulen, - und alles zugleich -, das sind tiefgreifende Einschnitte in das herkömmliche Schulsystem. Reformen dieser Art sind notwendig, da gibt es keinen Zweifel, in manchen Punkten sogar überfällig, jedoch müssen wir als Geschichtslehrer und besonders als Verband darauf achten, dass unser Fach auch unter diesen veränderten Verhältnissen weiterhin zum Kernbestand von Bildung gehört. Das scheint zur Zeit noch unbestritten, doch zeigen auch die beiden vergangenen Jahre, dass wir das nicht als selbstverständlich hinnehmen können, sondern wachsam die Entwicklungen verfolgen und entschieden bei den Kultusverwaltungen Einfluss nehmen müssen. Und das haben die Landesverbände, deren sehr wichtige Rolle angesichts unseres föderalen Bildungssystems hier hervorgehoben werden soll, engagiert und erfolgreich geleistet. Auf Bundesebene wurden diese Bemühungen unterstützt durch die im Mai 2005 vom Hauptvorstand verabschiedete „Mainzer Erklärung", in der noch einmal die Kernforderungen unseres Verbandes in Erinnerung gebracht und bekräftigt wurden.

 

 

Punktuelle Misserfolge dürfen wir nicht überbewerten. Insgesamt kann sicher festgestellt werden, dass das Fach Geschichte in den meisten Ländern bei den Verantwortlichen durchaus angemessene Wertschätzung genießt. Ein gewisses Problem stellt die immer unübersichtlich werdende Situation und die häufiger zu beobachtenden Sonderlösungen in den Ländern dar. Dies erfordert unsere höchste Aufmerksamkeit und Kommunikation untereinander, darüber hinaus in dem Rahmen, der uns möglich ist, Gegenmaßnahmen in Form von zunächst länderübergreifenden und vergleichenden Zusammenstellungen zur Information, dann aber möglichst auch Vorschlägen. Auch hier hat der Verband neue und erfolgreiche Wege im Sinne präventiven Handelns beschritten. Ein schon immer bewährtes Mittel der Einflussnahme bestand und besteht darin, durch aktive Teilnahme an der Arbeit in Fachdidaktischen Kommissionen unsere Vorstellungen zur Geltung zu bringen. Diese Möglichkeit ist in den Landesverbänden durchweg erfolgreich wahrgenommen worden.

 

 

Aus der dargelegten Situation ergibt sich mehr als je zuvor die dringende Forderung nach einer möglichst großen öffentlichen Präsenz. Diesem Aspekt der Verbandsarbeit wurde in den letzten beiden Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt, v. a. durch folgende Maßnahmen:

 

 

Ergebnisse der Arbeitsgemeinschaften

Wichtig für die öffentliche Präsenz des Verbandes wurde in zunehmendem Maße eine werbewirksame Homepage www.geschichtslehrerverband.de . Sie wurde in den letzten beiden Jahren informationsreich und in ansprechender Weise aufgebaut. Vor allem bei neuen Kontakten ist zu be merken, wie intensiv - und positiv - diese elektronische Visitenkarte des Verbandes zur Kenntnis genommen wird. Damit ist ein wichtiger Schritt zur Professionalisierung des Verbandes, den wir uns 2004 in Kiel vorgenommen hatten, getan. Trotz dieser erfreulichen Entwicklung muss kritisch hinzugefügt werden, dass die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes weiter intensiviert werden muss, wollen wir unseren Einfluss erhalten und wenn möglich vergrößern. Schon die - notwendige - Pflege der bereits vorhandenen Kontakte, v. a. zu den fördernden Mitgliedern, aber auch zu den Kooperationspartnern und besonders den Stiftungen erfordert weitere Anstrengungen, von der Pressearbeit gar nicht zu reden. Damit ist schon die Frage einer stärkeren Öffnung angesprochen, die sich der Vorstand ebenfalls zum Ziel gesetzt hatte. Weitere fördernde Mitglieder konnten in den vergangenen zwei Jahren gewonnen werden, sodass der VGD jetzt über ein ansehnliches Netzwerk angesehener Institutionen, die uns unterstützen, verfügt. Die Kontakte, die sich daraus zusätzlich ergeben, sind in der Regel von noch größerer Bedeutung als die jährlichen Zahlungen. Je wirksamer der Verband in Erscheinung tritt, desto mehr Geneigtheit zur Förderung findet er. Und dies auch im Hinblick auf Kooperationen verschiedenster Art. Dass die Attraktivität des Verbandes für viele Institutionen v. a. in seiner Breitenwirkung liegt, wird immer deutlicher, zumal wenn er sich aktiv zeigt. Hauptsächlich wohl aus diesem Grunde, - wohl auch weil es gelang, für verschiedene Maßnahmen einen beträchtlichen Teil der Finanzierung beizutragen , konnte auch die Zahl der ständigen Kooperationspartner deutlich vergrößert werden, sodass wir auch hier inzwischen über ein respektables Netzwerk verfügen. Es ist nicht notwendig zu betonen, dass es sich hierbei nicht um eine Einbahnstraße nur für unsere Interessensvertretung handelt, sondern dass der Verband damit auch zahlreiche Impulse für seine Arbeit erhält. In der Regel gestalten sich die Kooperationen und die - kostenneutralen - gegenseitigen Mitgliedschaften in folgenden Formen:

 

 

 

Auch dieser Weg gegenseitiger Verbindung hat sich für den Verband als nützlich und anregend

erwiesen. Es ist sinnvoll, entsprechende Bemühungen fortzusetzen.

 

 

Inhaltliche Arbeit

Ein zentraler Aspekt der Verbandsarbeit, unter dem der Vorstand sowohl 2002 als auch 2004 angetreten ist, betraf und betrifft die weitere inhaltliche Profilierung. Die eingerichteten Arbeitsgemeinschaften zu aktuellen Problembereichen wurden weitergeführt, wenn deren Weg und Ergebnis auch unterschiedlich waren. Ein wichtiges Anliegen war es dabei wieder, in der jeweils gemeinsamen Zusammensetzung von Schulpraktikern, Didaktikern und Wissenschaftlern gewissermaßen beispielhaft die Aufeinanderbezogenheit von Schule und Universität sichtbar zu machen - und damit auch manchen bildungspolitischen Entwicklungen wenigstens signalhaft entgegen zu wirken. Dieser Ansatz fand offensichtlich auch in den beiden zurückliegenden Jahren Anklang, gelang es doch, aus den genannten Bereichen hochqualifizierte Mitarbeiter und Kooperationspartner zu gewinnen, vor allem Sponsoren zu überzeugen, wie das eindrucksvolle Förderprogramm für unseren Verband ausweist: Unserem Dank verdienen v. a. die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", die Birthler-Behörde, alle in Berlin, ferner die Bundeszentrale für politische Bildung und die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Warschau. Den Löwenanteil erhielten wir von der Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart, der an dieser Stelle ganz besonders gedankt sei.

 

Folgende Arbeitsgruppen sind im Verband tätig:

 

 

Die internationalen Aktivitäten des Verbandes haben sich in den letzten beiden Jahren deutlich ausgeweitet. Kontakte wurden vom VGD geknüpft nach Lettland, Litauen, Estland, Ungarn, Polen und die Slowakei, meist zu den Geschichtslehrerverbänden.

 

 

Entsprechend den aktuellen Erfordernissen richtete der Verband seine Aktivitäten auf die neuen EU-Staaten Osteuropas. In diesem Sinne wurden u. a. 2004, 2005 und 2006 je ein Wochenseminar in Riga, Berlin und Krakau veranstaltet zu dem Rahmenthema: „Auf dem Weg zu einer europäischen Identität", stets in Kooperation mit Institutionen aus den osteuropäischen Ländern.

 

 

Der auf dem Konstanzer Historikertag am 21. September 2006 für die Amtsperiode der Jahre 2006-2008 neu gewählte Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:

 

StD a.D. Dr. Peter Lautzas (Vorsitzender)

StD Dr. Rolf Brütting (Stellv.Vorsitzender)

Dr. Günter Kolende (Schriftführer)

StD Ulrich Bongertmann (Schatzmeister)

StD Klaus Fieberg (Beisitzer)

StD Dr. Ralph Erbar (Beisitzer).

 

 



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