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Schüler in Aktion für den Denkmalschutz

Das Schulprogramm "denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule" wird erneut ausgeschrieben


53 Grad, 51 Minuten, 18 Sekunden nördlicher Breite und 8 Grad, 4 Minuten, 54 Sekunden östlicher Länge - was sich für Landratten nach einer gehörigen Portion Fachchinesisch anhört, wissen die Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums Geschwister Scholl im Handumdrehen zu deuten: Die Koordinaten geben den Standort des Leuchtturms Roter Sand in der Außenweser an. Und das wissen die Elftklässer aus Bremerhaven nicht erst seit gestern. Sie gehören zu einem Schulteam, das sich im Rahmen des Schulprogramms "denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule" ein Schuljahr lang mit dem Thema Denkmalschutz beschäftigt hat.
"Leuchtturm Roter Sand. Ein maritimes Bauwerk in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft", so lautet der Titel ihres Projektes. Die Jugendlichen nehmen nicht nur den Leuchtturm selbst unter die Lupe, sondern ordnen ihn beispielsweise auch in den geschichtlichen Zusammenhang seiner Errichtung Ende des 19. Jahrhunderts ein. In seinem Projekt befasste sich der Geschichts-Leistungskurs aus Bremerhaven mit der Errichtung des Leuchtturms im Kaiserreich und seiner dramatischen Rettung im Jahr 1987, bei der eine Stahlmanschette über den 30 Meter hohen Turmschaft gestülpt und auf dem Meeresgrund mit Beton gefüllt wurde, um dem Fundament neue Stabilität zu verleihen.
Außerdem untersuchten die jungen Spurensucher die heutige touristische Nutzung des stillgelegten Seezeichens. Um mehr über den Bekanntheitsgrad des Bauwerks in ihrer Stadt herauszufinden, erarbeiteten sie einen Fragebogen und machten eine Passantenbefragung. Im Mathematikunterricht werteten sie die Ergebnisse statistisch aus. Vom fröhlich rot-weiß geringelten Turm mit seiner originalen Innenausstattung sind die Schüler begeistert und nach der eingehenden Beschäftigung damit unbedingt dafür, dass der Turm für nachfolgende Generationen erhalten bleibt.

Das Schulprogramm "denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule" ging im Herbst 2002 mit 25 Schulen an den Start. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz möchte junge Menschen für den Schutz des kulturellen Erbes gewinnen, indem sie ihnen die Möglichkeit bietet, historische Bauten vor Ort kennen zu lernen und sich aktiv dafür zu engagieren. Heute zählt das Netzwerk rund 75 Schulen aus allen Bundesländern und auch im Schuljahr 2005/2006 steht "denkmal aktiv" für Neubewerbungen von Schulen offen. Dabei bewirbt sich jede Schule gemeinsam mit anderen Schulen im einem Schulverbund. Ein solcher Verbund besteht aus Teams von drei bis sechs Schulen, die während der gesamten Projektlaufzeit einen intensiven Austausch pflegen. Interessenten können ab Mitte März die Bewerbungsunterlagen anfordern (Kontaktadresse siehe unten).

Welche Restaurierungsmaßnahmen werden in historischen Bauten vor Ort durchgeführt? Ist eine Kulturlandschaft in der Umgebung durch Umwelteinflüsse gefährdet und was kann man dagegen tun? Gibt es in der Nähe eine UNESCO-Welterbestätte und was zeichnet sie aus? Solche Fragen stehen am Anfang, wenn die jungen Spurensucher ihre Projekte beginnen und sich ihrem Objekt nähern.

Im Rahmen von "denkmal aktiv" setzen sich die Schüler durch Projektarbeit intensiv mit einem Kulturdenkmal vor Ort auseinander: Im Unterricht geht es um Geschichte und Baustilkunde, auch die praktische Denkmalpflege wird einbezogen. Bei den Recherchen stehen Diskussionen der Schüler mit Restauratoren und Mitarbeitern der Denkmalämter oder Tourismusbüros ebenso auf dem Programm wie die Auswertung von Befunden, die Kartierung von Häusern oder die Aufbereitung der Ergebnisse für Ausstellungen, touristische Faltblätter oder Internetseiten. Die Schüler entwickeln mitunter selbst Konzepte für die Pflege und Bewahrung oder für die Öffentlichkeitsarbeit und zur Gewinnung von Sponsoren. Von besonderer Bedeutung ist dabei stets die Betreuung durch einen kompetenten Partner vor Ort, beispielsweise den Vertreter einer Fachbehörde, eines Museums, eines Architekturbüros oder einer Hochschule. Je nach Aufgabenstellung kommen die jungen Leute außerdem in Kontakt mit Initiativen, Agenda-Büros, Vereinen und Verbänden oder mit den lokalen Medien und den Bürgern, wenn das Schulteam "sein Kulturdenkmal" am Tag des offenen Denkmals vorstellt. Regelmäßige Teilnehmertreffen bieten den Rahmen für einen lebendigen Erfahrungsaustausch und vernetzen die Projekte. So lädt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz im Verlauf des Schuljahrs Vertreter der "denkmal aktiv"-Schulen zu zweitägigen bundesweiten Treffen ein, die für alle Teilnehmer sehr beflügelnd sind. Es gibt dort viel Gelegenheit, die einzelnen Aktivitäten vorzustellen und alle Fragen zur konkreten Projektarbeit zu diskutieren. Dabei bleibt auch Raum für den Austausch von Erfahrungen.
Damit auch andere Schulen von den Erfahrungen und Ideen profitieren können, werden die Teilnehmer des "denkmal-aktiv"-Netzwerks dazu angehalten, ihre Projekte in Arbeitsplänen und Berichten genau zu dokumentieren. So entsteht langfristig eine Sammlung von Leitfäden und pädagogischen Materialien für "Denkmalschutz-Projekte" in der Schule. Eine Übersicht aller Teilnehmerschulen sowie deren Projekte bietet die Website www.denkmal-aktiv.de .
"denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule" steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission und wird maßgeblich von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert. Weitere Partner sind das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz, das Auswärtige Amt sowie die Ministerien verschiedener Bundesländer.

Weitere Informationen sowie die Ausschreibungsunterlagen für das Schuljahr 2005/2006 können ab Mitte März von interessierten Lehrerinnen und Lehrern angefordert werden: Deutsche Stiftung Denkmalschutz "denkmal aktiv" Koblenzer Straße 75 53177 Bonn Tel. 0228-39063-987 Fax 39063-43 E-Mail: schule@denkmalschutz.de Internet: www.denkmal-aktiv.de Unterrichtsmaterialien zum Thema Denkmalschutz "denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule" lautet auch der Titel der Unterrichtsmappe, die die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in der 2. erweiterten Auflage herausgegeben hat. Sie gibt Lehrern Anregungen für Stundenthemen und Unterrichtsreihen rund um die Themen Denkmalschutz und Kulturerbe. Die pädagogischen Materialien sind mit kopierbaren Arbeitsblättern und vielen Abbildungen ausgestattet und eignen sich für Sek. I und Sek. II. Bestellmöglichkeit per E-Mail: schule@denkmalschutz.de.



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