Dr. Axel Janowitz, Referent für politische Bildung bei der BStU
Das MfS als trauende Säule der SED-Herrschaft
Die politische Geschichte der DDR ist zugleich die Geschichte der diktatorischen Herrschaft einer Partei, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Eine tragende Säule der SED-Diktatur war fast 40 Jahre lang, von 1950 bis 1989, das Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS). Das MfS war keinen Verfassungsorganen gegenüber rechenschaftspflichtig, sondern allein der Führungselite der SED, deren Machtsicherung es diente. Die nahezu unbeschränkten Kontrollbefugnisse und Informationsmöglichkeiten des MfS umfassten alle gesellschaftlichen Bereiche der DDR, das Spektrum der Repressionsmaßnahmen war groß.
1988 waren 91.000 Menschen hauptamtlich für das MfS tätig. Daneben wurden vom MfS über 170.000 Inoffizielle Mitarbeiter (IM) geführt, Menschen, die aus den unterschiedlichsten Motiven im Freundes- und Kollegenkreis, ja sogar innerhalb der eigenen Familien Spitzeldienste leisteten. Sie waren die konspirative "Hauptwaffe" des MfS im Kampf gegen den äußeren und inneren "Feind". Als Feind im Innern galten im Verständnis der MfS-Mitarbeiter alle Oppositionellen, beispielsweise Mitglieder von kirchlichen Gruppen, Menschenrechts-, Umwelt- und Friedensinitiativen. Verdächtig waren dem MfS alle Formen unangepassten oder nicht-konformen Verhaltens.
Die BStU und ihr gesetzlicher Vermittlungsauftrag
Im August 1990 beschloss die erste frei gewählte Volkskammer der DDR einstimmig das "Gesetz zur Sicherung und Nutzung der personenbezogenen Akten des MfS", das zum Zweck der Aufarbeitung der Stasi-Tätigkeit eine kontrollierte Öffnung der Akten ohne Sperrfristen vorsah. Dieses Gesetz wurde erst auf massiven Druck der Bürgerrechtler in der DDR und gegen den Willen zahlreicher bundesdeutscher Politiker in den Einigungsvertrag aufgenommen. Es bildete die Grundlage für das "Gesetz über die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik" (StUG, Stasi-Unterlagen-Gesetz) und für die Arbeit der Behörde des ersten Bundesbeauftragten Joachim Gauck, dessen Nachfolgerin seit 2000 Marianne Birthler ist. Der Sitz der Behörde ist in Berlin. In den früheren Bezirksstädten der DDR befinden sich heute die 13 Außenstellen der BStU.
§ 37 des Stasi-Unterlagen-Gesetzes formuliert den Auftrag der Bundesbeauftragten, durch Unterrichtung der Öffentlichkeit über Struktur, Methoden und Wirkungsweise des Staatssicherheitsdienstes zur Aufarbeitung der Tätigkeit des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR beizutragen. Eine wichtige Zielgruppe für die Wahrnehmung dieser gesetzlich verankerten Aufgabe stellen Schüler/innen und Lehrer/innen dar, für die seit Beginn der Behördenarbeit sowohl in Berlin als auch in den Außenstellen spezielle Veranstaltungen stattfinden und Angebote entwickelt wurden.
Didaktisch-methodische Zugänge
Für eine Beschäftigung mit dem MfS und seiner Funktion in der DDR bieten sich vielfältige Zugänge an: So sind beispielsweise in den Außenstellen Theaterszenen entwickelt worden. In Berlin wurde in Kooperation mit dem Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und der Landeszentrale für politische Bildung zusammen mit dem Grips-Theater ein Theaterworkshop durchgeführt, an dem insgesamt 250 Schülerinnen aus dem früheren Ost- und Westberlin teilnahmen. Schüler/innen konnten sich so kreativ mit dem Thema "Staatssicherheit" auseinandersetzen. Im Rahmen von Projekttagen wurden verschiedene Themen von Schülerinnen und Schülern auf unterschiedlichste Weise bearbeitet. Die Möglichkeit zu forschendem Lernen oder wissenschafts-propädeutischem Arbeiten wird vor allem von Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufe häufig wahrgenommen. Angesichts der Komplexität des Themas sowie des häufig fehlenden historischen Hintergrundwissens der Schüler/innen ist das didaktische Prinzip des exemplarischen Lernens in der politischen Bildungsarbeit der BStU von großer Bedeutung.
Viele Menschen wurden Opfer von Repressionsmaßnahmen des MfS und leiden bis heute unter den Folgen von Bespitzelung, Haft oder Zerstörung ihrer beruflichen Existenz. Manche haben sich einschüchtern oder korrumpieren lassen und mit dem MfS zusammengearbeitet. In den Unterlagen des MfS (neben 180 Kilometern Akten auch hunderttausende Film-, Ton- und Bilddokumente) finden sich aber auch zahlreiche Beispiele für Zivilcourage, Verantwortungsbewusstsein und Solidarität. Schülerinnen und Schülern bietet die intensive Beschäftigung mit einem oder mehreren der unübersehbar vielen Einzelfälle eindrucksvolle Anregungen und Stoff für die eigenständige Entwicklung weiterführender Fragen. Diesen quellengestützten und damit authentischen Zugang wählen die BStU-Mitarbeiter/innen vor allem im Rahmen von Projekttagen. Dazu werden Auszüge aus aussagekräftigen Originalakten zur Verfügung gestellt.
Angebote der BStU für Lehrer/innen
In Berlin und jedem der neuen Bundesländer befinden sich Informations- und Dokumentationszentren (IDZ). Sie können kostenfrei besucht werden. Lehrer/innen
und Schüler/innen können hier die unterschiedlichsten Angebote nutzen.
In den alten Bundesländern wird mit der Wanderausstellung "Staatssicherheit - Garant der SED-Diktatur" über das MfS und die Arbeit der BStU informiert. Auf Anfrage werden hierzu Lehrerfortbildungen durchgeführt.
Einrichtungen der Lehrerfortbildung können sich an uns wenden: Mitarbeiter/innen berichten über das MfS, seine Methoden und seine Rolle in der DDR. Zu Spezialfragen vermitteln wir Referentinnen und Referenten aus der Forschungsabteilung unseres Hauses.
Einzelne Lehrerkollegien können sich bei Interesse an Fortbildungen oder Informationsgesprächen an uns wenden. Nach Absprache kommen wir in Ihre Schule oder begrüßen Sie gern in unseren IDZ oder im Archiv der BStU in Berlin oder einer der Außenstellen.
Wir unterstützen Lehrer/innen bei der Durchführung von Schülerveranstaltungen (Seminare, ein- oder mehrtägige Projekte) in Einrichtungen der BStU (IDZ, Archive, Außenstellen). In Einzelfällen kommen wir nach Absprache auch zu Veranstaltungen in die Schulen. Didaktisch aufbereitete, unterrichtsbegleitende Materialien (Aktenauszüge, Handreichungen) befinden sich derzeit in der Erarbeitung.
Mitarbeiter/innen der BStU betreuen Schüler/innen bei der Erarbeitung von Beiträgen zu Schülerwettbewerben, bei besonderen Lernleistungen, Facharbeiten, etc.
Alle Angebote, die von Mitarbeiter/innen unseres Hauses durchgeführt werden, sind in der Regel kostenfrei. Vertretbare Mindestteilnehmerzahlen sollten im Interesse eines effizienten Einsatzes von Personal- und Finanzmitteln gesichert sein.
Kontakt:
Vor allem für Angebote in Berlin und den alten Bundesländern:
Sachgebiet BF 3 / "Politische Bildung"
Otto-Braun-Straße 70/72
10178 Berlin
Tel.: 030/2324-8914
Fax.: 030/2324-9907
Mail: bf@bstu.bund.de
Für Lehrer- oder Schülerveranstaltungen in den neuen Bundesländern:
Sie können sich direkt mit einer der Außenstellen der BStU in Verbindung setzen, die Interessierten aus allen Bundesländern offen stehen.
Informationen erhalten Sie über www.bstu.de .