Eine Frage, vier Antworten, und der Kandidat muss die richtige herausfinden: Das Konzept könnte simpler kaum sein - und dennoch ist "Wer wird Millionär" eine der erfolgreichsten Sendungen im deutschen Fernsehen. Viele Millionen Zuschauer fiebern regelmäßig mit, freuen sich, wenn sie die richtige Antwort wissen, scheinbar klüger sind als die - meist überreich belohnten - Kandidaten. Und der Erfolg von "Wer wird Millionär" findet reichlich Nachahmer bei anderen Fernsehsendern.
Für Internet-Journalisten ist das Interesse am Quiz nichts Neues. Seit Ende der 1990er Jahre nutzen Online-Portale und Betreiber von Bildungsseiten verstärkt solche Möglichkeiten, die das Medium dank seiner Interaktivität bietet, um Nutzer-Bindung zu betreiben. "Hier ist der User - anders als beim Fernsehen - nicht nur Zuschauer: Er ist Teilnehmer", erklärt Stefan Primbs den Aspekt, der Quiz-Angebote im Internet so attraktiv macht. Und die Technik übernimmt die Auswertung, was den Personalaufwand gering hält. Primbs ist Redakteur bei P.M. HISTORY. Die Zeitschrift bietet in diesem Winter (bis Februar) zum zweiten Mal ein großes Online-Rätsel mit 400 Fragen zur Geschichte an, das speziell für Schüler konzipiert wurde, aber auch viele Erwachsene anzieht. Es gibt keine Zugangsbeschränkungen. Im vergangen Jahr waren dabei mehr als 16.000 Anmeldungen zu verzeichnen gewesen. Der große Erfolg des Online-Quiz hat dabei nach Ansicht von Primbs noch mit anderen Faktoren zu tun: "Die Rätsel sind bei uns in verschiedene Leistungsstufen eingeteilt - so wird keine Schülergruppe über- oder unterfordert und vor allem: Die Teilnehmer können sofort in einer Rangliste sehen, wie gut sie im Vergleich zu anderen abschneiden. Das motiviert wie ein sportlicher Wettkampf." Freilich mögen auch die Gewinne des HISTORY-Rätsels im Wert von rund 5.000 Euro ein Ansporn für die Teilnahme sein. Bei einer eigenen Klassen-Wertung gibt es Gewinne für alle Schüler der Siegerklasse.
Das Projekt von P.M. HISTORY steht nicht allein da. Auch das Lehrer-Magazin "Praxis Geschichte" lockt seine Leser erfolgreich mit einem regelmäßigen kleineren Online-Quiz auf seinen Internetseiten, und der Schulfunk des Bayerischen Rundfunks (CollegeRadio) beging die fünfjährige Präsenz im Internet ebenfalls mit einem Online-Quiz zu verschiedenen Wissensbereichen, für das im Rundfunk geworben wurde. Die positiven Erfahrungen mit Online-Rätseln zur Geschichte werden auch bestätigt von dem großen Zuspruch, den ein Geschichtsquiz auf den Seiten des Deutschen Historikertags 2004 fand. "Bei dem Spiel haben sich etwas über 3200 Personen angemeldet", erläutert Arnd Reitemeier, der das Projekt betreute. "Sehr viele Studierende haben mitgespielt, eine erhebliche Anzahl Schüler."
Eine Beobachtung, die auch Stefan Primbs für das große Rätselrennen von P.M. HISTORY bestätigen kann: "Die Auswertung unserer Teilnehmer-Daten hat gezeigt, dass die spielerische Verbindung von Wissen und Wettbewerb Erwachsenen und Kindern gleichermaßen zusagt", erläutert er und zieht Parallelen zu dem Spiele-Bestseller "Trivial Pursuit", der in ähnlicher Weise Kindern und Erwachsenen Spaß macht. Die guten Erfahrungen aus den erfolgreichen Quiz-Spielen könnten seiner Meinung nach auch für den Unterricht genutzt werden. So hatte P.M. HISTORY Lehrer aufgerufen, Quiz-Fragen einzusenden. "Wir waren positiv überrascht und erfreut, dass viele Lehrer die eingesandten Fragen zusammen mit ihren Schülern erarbeitet hatten - meiner Meinung nach eine ideale Form von ,produktionsorientiertem Unterricht'." Das Erarbeiten von witzigen Quizfragcn mache eben fast ebensoviel Spaß wie das Beantworten. Und die Möglichkeiten, wer wen "ausfragt", scheinen auch jenseits des Internets unbegrenzt: "Man könnte beispielsweise die Fragen auch jeweils von einer Parallelklasse für die andere ausarbeiten lassen, oder Gruppen innerhalb einer Klasse bilden."
Allerdings ist für Pädagogen ein Manko der klassischen Multiple-Choice-Fragcn nicht übersehbar: Die Form scheint für komplexere Inhalte wenig geeignet. "Dennoch kann man mit etwas Fantasie viel mehr als nur Namen und Jahreszahlen auf diese Weise abfragen. Das haben wir auch bei unserem Online-Quiz versucht." Zudem gibt es da auch Fragen nach dem Schema "Bringen Sie folgende Begriffe, Jahreszahlen etc. in die richtige Reihenfolge!" Das erlaubt es, zeitliche sowie logische Abläufe und Rangfolgen zu behandeln, von der Abfolge der Staatsformen im Alten Griechenland bis zur Lehenspyramide. "Außerdem ist doch schon die Erkenntnis, dass manche Zusammenhänge eben komplexer sind, ein fundamentales Lernziel - nicht nur beim gemeinsamen Formulieren von Fragen."