Im Tagesgeschäft unterliegen Politikerinnen und Politiker allzu leicht der Versuchung der Gegenwart. Dann leiten aktuelle Stimmungen und kurzfristige Erfolge ihr Handeln. Dabei ist die Geschichte der beste Politikberater. Sie liefert Erklärungen für politische Probleme und eröffnet Optionen für deren Bewältigung. Sie verweist auf das Gewordensein und damit die Gestaltbarkeit von Institutionen. Sie rechtfertigt Erhaltenswertes und kritisiert Überkommenes. Sie legitimiert politische Ordnungen und eröffnet deren Alternativen. Kurz: Politisches Handeln ohne historisches Denken bleibt geistig arm. Für die politische Bildung stellt die Vergangenheit ein unermessliches Reservoir dar. Mündige Bürgerinnen und Bürger von morgen sollten über vier wesentliche historisch-politische Kompetenzen im Umgang mit ihr verfügen: Erstens sollten sie in der Lage sein, zeitübergreifende Werte an historischen Beispielen zu begründen. Sie sollten zweitens die Gegenwart als ein Produkt der Vergangenheit (und als eine Vorform der zukünftigen Vergangenheit) begreifen können. Drittens sollten sie über den historischen Vergleich Erkenntnisse über die Gegenwart gewinnen können. Schließlich sollten sie die Gegenwartsinteressen erkennen können, welche die Deutung von Geschichte leiten. Der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands hat mit seinen Fachzeitschriften in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich zur Entwicklung dieser Kompetenzen beigetragen. geschichte für heute wird an diese Erfahrungen anknüpfen. Ich bin zuversichtlich, dass die Zeitschrift in kürzester Zeit eine wichtige Funktion für die historisch-politische Bildung und die Geschichtskultur in Deutschland einnehmen wird. geschichte für heute wird damit nicht nur der verbandsinternen Kommunikation dienen, sondern auch für Politiklehrerinnen und Politiklehrer eine regelmäßige Lektüre darstellen. Ich wünsche der Zeitschrift einen guten Start und viel Erfolg!
Prof. Dr. Dirk Lange
Bundesvorsitzender der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB)